Ich bin, der ich bin (EHYeH ASheR EHYeH) Ausstellung

Bremen (RSS) - Der in Bagdad als Enkel des letzten Großrabbiners von Bagdad geborene, in Tel Aviv aufgewachsene und heute in Amsterdam lebende Künstler Joseph Semah (*1948) hat sich wie kaum ein anderer zeitgenössischer Künstler mit dem jüdisch-christlichen Traditionserbe auseinandergesetzt. Er äußert sich gleichermaßen in Text, Wort, Bild, Objekten und Installationen. Er gräbt und schürft nach Bedeutungen, Symbolen und Zusammenhängen in der Kunst, die für ihn immer auch in einem räumlichen, philosophischen und religiösen Kontext steht. In der Ausstellung „Ich bin, der ich bin“ präsentiert der Künstler sein komplexes Oeuvre in 72 Werken. Gezeigt werden neue Projekte wie eine Collage aus Hunderten von losen DIN A 4 Blättern, die Semah unermüdlich mit einer Nähmaschine über Wochen zusammengenäht hat. Das Prinzip ist immer gleich: Zunächst ein Notenblatt aus der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach, darauf ein transparentes Papier mit gezeichneten, schwarzen Tuschefeldern – es ist der Lageplan von Auschwitz. Auch ältere Objekte und Skulpturen wie liegende Tierskulpturen, die mit großen Glasplatten bedeckt sind und Spiegeln in Form von jüdischen Gebetskapseln werden ausgestellt.



Im Vordergrund der Auswahl der Werke steht dabei der Begriff des „Fremden“ und der Umgang mit dem „Anderen“: der Fremde – ein Künstler aus einem anderen Kulturkreis in einem deutschen Museum und das Fremde – Kunstwerke, die auf den ersten Blick unverständlich sind. Semah versteht sich explizit als Gast – einen kritischen Gast und das bedeutet für ihn Motivation und Antriebsfeder seines schöpferischen Tuns, auf der Suche nach Ursprüngen, nach dem Auffinden und dem Hinterfragen von Traditionen und Symboliken. Wie stets möchte Semah dabei einem zumeist christlich geprägten Publikum sein persönliches jüdisches Erbe als Deutungshintergrund anbieten. Das Vertraute wird fremd, das Fremde vertraut. Gegen den Wunsch der Eindeutigkeit setzt er bewusst die Realität der Mehrdeutigkeit und baut von Werk zu Werk eine Sprache auf, die dem Publikum die Angst vor dem Fremden nimmt und beweist, dass mit einem Kunstwerk quer über die Kulturen hinweg Kommunikation wieder hergestellt werden kann. Ausstellung und Katalog wird durch den Freundeskreis des Gerhard-Marcks-Hauses e.V. gefördert. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog zum Preis von 20,- Euro.



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